Interview mit Sarah O'Brien

Für die neue Ausgabe unserer Interviewreihe "Meet the Artist" haben wir mit der Harfenistin Sarah O'Brien gesprochen. Nach über 20 Jahren als Soloharfenistin des Concertgebouw Orchesters Amsterdam und der Münchner Philharmonikern ist Sarah O'Brien inzwischen als Professorin für Harfe an der Zürcher Hochschule der Künste und der Hochschule für Musik in Basel tätig.

 

Sarah O'Brien

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Musik studiert hätten?

Archäologin! Oder vielleicht Reisejournalistin? Im Ernst: Archäologie war (und ist immer noch) eines meiner Lieblingsthemen, nur hat dann die Musik und die Harfe doch überwogen - zum Glück!

Was ist das erste Konzert, an das Sie sich erinnern können?

Ein Klavierduo in Bad Krozingen. Ich saß mit schönen neuen Schuhen in der ersten Reihe, die Füße nicht mal am Boden (lacht). Von der Musik erinnere ich mich nicht an viel...

Welches war das beste Konzert-Erlebnis, an das Sie sich erinnern können? 

Da gibt es nicht ‚ein Bestes’: Das Rezital von Martine Geliot (Harfe) war wie eine Sternstunde, danach war für mich nichts mehr wie vorher auf der Harfe, ein Duo Konzert meiner (späteren) Professorin, Catherine Eisenhoffer, Kindertotenlieder mit Christa Ludwig und Claudio Abbado (mit mir an der Soloharfe), viele unglaubliche Momente im Orchester... und und und...

Was ist das wichtigste Talent, das ein Musiker haben muss?

Liebe zur Sache, Empathie, Durchhaltevermögen, Geduld (!), Verlässlichkeit, neben der Gabe flexibel zu sein und (für uns Harfenisten) Organisationstalent.

Von welchem Lehrer haben Sie am meisten gelernt?

Von Catherine Eisenhoffer. Sie lehrte mich, dass auch eine Harfe ‚singen’ kann.

Wenn Sie selbst unterrichten, was ist Ihnen mit am wichtigsten, was Sie Ihren Schülern vermitteln/weitergeben möchten?

Dass sie selbständige, mutige, interessierte Musiker werden, mit Fantasie für die Gestaltung, schönem Klangvermögen. Ich möchte ihnen beibringen, zugleich technisch versiert und individuell zu sein. An sich zu glauben! Nie aufzugeben und einen weiten Horizont der Möglichkeiten zu haben.

Welches Stück können Sie immer wieder spielen/hören, welches haben Sie schon zu oft gespielt/gehört?

Immer wieder spielen: Germaine Tailleferre Sonate

Immer wieder hören: Scarlatti Sonate(n)

Zu oft gespielt: keines (lacht)

Zu oft gehört:  kitschige Harfenliteratur

Wie würden Sie sich in einem Satz jemandem vorstellen, der noch nie von Ihnen gehört hat?

Ich bin Musikerin, unterrichte an zwei Hochschulen - ja, Harfe - war über 20 Jahre Soloharfenistin in großen Orchestern und,- nein vermisse ich gar nicht - bin sehr glücklich damit, einige Solo- und Kammermusikkonzerte zu spielen, und mich sonst vor allem meinen Studenten zu widmen.

In welchem Konzertsaal spielen Sie am liebsten?

Das sind zwei: Der Wiener Musikverein und das Concertgebouw Amsterdam.

Mit welchem Orchester musizieren Sie am liebsten?

Na ja, das Concertgebouw Orchester und die Münchner Philharmoniker sind schon nicht schlecht gewesen!

Welcher Komponist sollte Ihnen ein Stück schreiben? Was für eines wäre das?

Philippe Hersant, wobei es von ihm schon ein Solostück gibt. Oder vielleicht könnte Mauricio Kagel zurückkommen und ein Solostück schreiben? Sein Duo mit Saxophon ist herrlich!

Was sollen Konzertbesucher aus Ihren Konzerten mitnehmen?

Berührt worden zu sein, plötzliche Erinnerungen auftauchen zu lassen, Interesse für die weitgehend unbekannte Literatur für Harfe, die Erkenntnis, dass es ein tolles und vielfältiges Instrument ist, die Vorfreude auf ein zukünftiges Konzert. Je nach Werk: Lachen zu können, weinen zu dürfen. Und zu sagen: Mensch, ich wusste gar nicht, dass eine Harfe so klingen kann!

In welchem Land/in welcher Stadt würden Sie gerne mal ein Konzert geben? Mit welchem Programm, mit welchen Musikern?

Genau da und dort wo wir überall waren, gerne an schönen Sommerfestivals, mit guten, interessierten Musikern.

Welche Musik hören Sie…

 ...wenn Sie abends nach Hause kommen?

Gar nichts, erst recht nicht, nach einem Tag voll Musik

...morgens beim Frühstück?

Gar nichts (so früh kann ich überhaupt nicht hören)

Hören Sie überhaupt privat noch Musik? CD oder Streaming?

Eigentlich selten, ja, ich höre mir natürlich Aufnahmen von Harfe an, je nachdem auch von Studenten, oder Klavierliteratur (Scarlatti Sonaten). Es ist schwierig, nicht immer wertend zu hören - déformation professionelle.

Welchen Musiker (oder welche andere Persönlichkeit) möchten Sie gerne mal treffen?

So viele wunderbare Musiker trifft man, manchmal immer wieder, gerade im Orchesterleben. Große Bewunderung habe ich für Thomas Quasthoff, mit welchem wir in München zusammen gearbeitet haben. Für ein Treffen wäre Barack Obama sehr interessant.

Lesen Sie Konzert- und CD-Kritiken? Wenn ja, über welche haben Sie sich besonders gefreut? Welche fanden Sie ungerecht?

Ja, meistens mit Freude, besonders diejenigen, aus denen ersichtlich wird, dass der schreibende Kritiker etwas von der Sache versteht. Ungerecht, oder eher verwunderlich, finde ich oftmals die Bewertungen von Jurys..